Die Geschichte von Hof Malleghem
Die lange Geschichte hinter Polderlicht
An der Bosstraat in Uitkerke liegt ein Hof, der viele Leben gekannt hat. Er war ein Bauernhof, ein Ort für Pferde und Reiter und später ein Haus für Gäste und Kunst. Hinter dem weißen Polderlicht verbirgt sich die Geschichte von Hof Malleghem: von alten Lehnsnamen bis zu den Familien, die hier das Land bestellten, von der früheren Reitbahn bis zum Garten von heute.
um 1330
Alte Namen in den Poldern
Laut der örtlichen Geschichtsschreibung wird Hof Malleghem mit einem Lehen verbunden, das um 1330 erwähnt wird. Dabei erscheint der Name Geraart de Rikelike, gefolgt von seinem Sohn Jan. Das Lehen wird als Lehen ohne Afterlehen beschrieben: Land, das nicht seinerseits in kleinere Lehen vergeben war.
So beginnt die schriftliche Geschichte, die mit Hof Malleghem verbunden wird. Sie führt in eine Zeit, in der Grundbesitz, Landwirtschaft und Lehnsrechte eng miteinander verwoben waren. Die Jahreszahl um 1330 gehört zu dieser alten Erwähnung; sie ist kein Baujahr des Hauses, das man heute sieht.
um 1470–1480
Ein Herr von Maldegem
Dieselbe Ortsgeschichte nennt für die Jahre um 1470–1480 Philipp, Herrn von Maldegem, als Lehnsinhaber. Sein Name bringt ein adliges Kapitel in die Geschichte des Hofes.
Ein Lehnsinhaber musste nicht selbst auf dem Land wohnen oder es bewirtschaften. Das tägliche Leben auf einem Hof lag vor allem in den Händen der Menschen, die dort arbeiteten: Sie versorgten die Tiere, pflegten den Hof und brachten die Ernte ein. So hat Hof Malleghem neben einer Geschichte der Namen auch eine Geschichte der Arbeit.
Bewohner, Besitzer und Bauernfamilien
In der späteren Geschichte werden Jan Louis Peellaert, Herr von Westhove, Joannes Claeys und die Familie Van Outryve-d’Ydewalle mit dem Hof verbunden. Joannes Claeys wird dabei als Bewohner und Hauptmann (hoofdman) genannt.
Danach treten die Pächter und Bewirtschafter deutlicher hervor. Um 1800 ist Emanuel Vanhoutte als Pächter verzeichnet. Joannes Vanhoutte folgt in der Übersicht der Bewirtschafter und bleibt bis 1862 mit dem Hof verbunden.
Anna Constant führt den Betrieb von 1862 bis 1864 weiter. Ab 1864 wird sie zusammen mit Corneel Muysen genannt, bis 1881. Diese Namen bringen die Geschichte näher an den Alltag: nicht nur, wem das Land gehörte, sondern auch, wer den Hof hier am Laufen hielt.
Der Hof auf alten Karten
Auch Karten bewahren die Vergangenheit dieses Ortes. Die Ferraris-Karte aus den 1770er-Jahren zeigt auf dieser Straßenseite eine langgestreckte Bebauung, die zum späteren Hofgelände zu passen scheint. Im neunzehnten Jahrhundert wird der Hof deutlicher erkennbar.
Der Atlas der Buurtwegen von etwa 1840 zeigt einen langgestreckten Hofkomplex westlich der Straße, bezeichnet als Chemin No 10. Auf der Popp-Karte aus der Kartenreihe von 1842–1879 erscheint beim Hof die Parzelle 681 in Flur B. Diese Nummer klingt in der heutigen Adressparzelle 681E noch nach.
So zeigen die Karten, wie sich der Hof in der Landschaft abzeichnete: ein langes Gehöft an der Straße, umgeben von Ackerland. Wer heute ankommt, sieht eine neue Interpretation einer vertrauten Form.
1891–1910
Der Hof der Familie Sanders
Von 1891 bis 1910 wird der Hof von Carolus Ludovicus Sanders bewirtschaftet, auch Charles Ludovicus genannt. Für diesen Zeitraum nennt die Ortsgeschichte einen landwirtschaftlichen Betrieb von 28,44 Hektar.
Gemeint ist die Größe des damaligen Betriebs mit den dazugehörigen bewirtschafteten Flächen. Das Gehöft an der Bosstraat war der Mittelpunkt eines viel größeren Arbeitsgebiets. Hinter den Wohnräumen lagen die Ställe, Scheunen und das Land, von dem der Hof lebte.
ab 1910
Die Familie Hautekiet
Ab 1910 taucht der Name Hautekiet auf, mit Charles-Louis Hautekiet als Bewirtschafter. In der nächsten Generation übernimmt Désiré Hautekiet die Arbeit auf dem Hof.
Aus dieser Zeit sind Bilder erhalten, die die Vergangenheit greifbar machen. Ein Übersichtsfoto von 1952 zeigt den Hof und seine Gebäude. Ein Foto von 1956 zeigt Désiré mit den Zugpferden Vos und Jolie. Sie erinnern an die Zeit, als Pferde ihren Platz in der täglichen Feldarbeit hatten.
Diese Fotos geben der Geschichte ein Gesicht. Man sieht nicht nur ein Gebäude, sondern auch die Menschen und Tiere, die den Hof zu einem lebendigen Ort machten.


1965–1975
Pferde geben dem Hof einen neuen Rhythmus
1965 übernimmt Roger Hautekiet den Betrieb. Ein Luftbild von 1967 zeigt den hinteren Hof, die Scheunen und die umliegenden Felder. Es ist ein Blick auf den Hof vor den späteren Veränderungen.
1975 wird die Reitschule weiter ausgebaut, mit Pferdeställen und einer Reitbahn. Pferde bleiben Teil des Hofes, erhalten aber eine andere Rolle: Neben der landwirtschaftlichen Vergangenheit entsteht ein Ort für Reiter und Pferdesport.
Die frühere Reitbahn liegt dort, wo heute der große Garten von Polderlicht ist. Auf der rechten Seite des Gartens ist ihre Form noch erkennbar. Wo einst geritten wurde, lädt das Gras heute zum Spazieren, Lesen oder einfach zum Verweilen ein.


1985
Ein Wendepunkt
1985 zerstört ein Sturm die Scheune. Im selben Jahr geht Roger Hautekiet fort und gründet die Manege Vagevuur in Zuienkerke. Für Hof Malleghem endet damit ein wichtiges Kapitel.
Der Hof wird an die Eigentümer des Hotels Saint-Sauveur in Blankenberge verkauft. Das Anwesen geht einer neuen Zeit entgegen, mit einer anderen Bestimmung in Aussicht.
2004
Raum für ein neues Leben
2004 erhält der alte Bauernhof bei einer Renovierung durch das Architekturbüro BURO II eine zeitgemäße Gestaltung. Licht, Raum und warme Materialien geben dem Haus einen neuen Charakter, während die dicken Mauern und die ländliche Form Teil des Ortes bleiben.
Das frühere Haupthaus und der Stallflügel erhalten eine neue Rolle. Die landwirtschaftliche Vergangenheit verschwindet nicht: Sie bleibt spürbar in der langgestreckten Bauform, im Verhältnis zwischen Haus und Hof und im offenen Raum ringsum.

ab 2008
Vom Bauernhof zur Gästeunterkunft
2008 beginnt das Kapitel von B&B Het Polderlicht, geführt von Carine De Meester. Heute heißt der Ort Guesthouse Polderlicht. Carine empfängt hier Gäste und hat hier ihr Malatelier.
Wo früher die Arbeit auf dem Land den Tag bestimmte, ist jetzt Raum, es ruhiger angehen zu lassen. Die Zimmer blicken auf die Umgebung, der Garten lädt zum Verweilen ein und Kunst ist Teil des Hauses.
Die Vergangenheit muss hier nicht hinter Glas. Sie steckt in der Form des Hofes, in den alten Fotos, in der Erinnerung an die Reitbahn und in den Namen der Menschen, die hier ihr Leben aufbauten.
Ein alter Hof, immer wieder neu bewohnt.
Im Lauf der Jahrhunderte wechselte Hof Malleghem Besitzer und Bestimmung. Der Bauernhof wurde zur Reitschule und später zur Gästeunterkunft. Heute fügt Carine ihr eigenes Kapitel hinzu: ein Haus für Gastfreundschaft, Kunst und Ruhe, mitten in den Poldern.
Zeitleiste
- um 1330Erste Erwähnung in der örtlichen Geschichtsschreibung: Geraart de Rikelike
- um 1470–1480Philipp, Herr von Maldegem, als Lehnsinhaber
- um 1800Emanuel Vanhoutte als Pächter
- 1862–1881Anna Constant, ab 1864 mit Corneel Muysen
- 1891–1910Carolus Ludovicus Sanders bewirtschaftet den Hof
- ab 1910Charles-Louis Hautekiet, danach Désiré Hautekiet
- 1952Übersichtsfoto des Hofes
- 1956Désiré mit den Zugpferden Vos und Jolie
- 1965Roger Hautekiet übernimmt den Betrieb
- 1967Luftbild des hinteren Hofes
- 1975Die Reitschule wird ausgebaut
- 1985Ein Sturm zerstört die Scheune; der Hof wird verkauft
- 2004Renovierung durch das Architekturbüro BURO II
- 2008Beginn von B&B Het Polderlicht
- heuteGuesthouse Polderlicht, das Zuhause von Carine




